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Wandersegeln 2016

Jetzt ist es schon fast ein Jahr her. Unser erster Wandersegelflug. Das Erlebnis war so eindrucksvoll, dass der Gedanke „nochmal“ schnell aufkam. Leider kann Juppi dieses Jahr nicht – irgendwer muß ja auch sicherstellen, dass die Computer der Republik gewartet werden. Es stellte sich für mich also die Frage: wie wandern? Einfach mit dem Kestrel losfliegen und darauf vertrauen, dass ich immer auf einem Flugplatz aufschlage ist mir dann doch zu abenteuerlich. Was also dann? In meinem Verein gab’s zwar genügend Leute, die den Gedanken ans Wandern toll fanden. Nur Zeit hatten die alle nicht.

Bis auf Max2. Hätt ich auch früher drauf kommen können. Als Student hatte ICH auch immer Zeit zum Fliegen. Und die beiden Max in meinem Verein sind Studenten. Und fanden die Idee geil. Und Zeit hatten sie sowieso. So wird es also dazu kommen, dass wir am 13.5 für 5-6 Tage unsere DG1000 nehmen und losfliegen. Einer fährt, zwei fliegen. Das ist schonmal ein deutlich besseres Verhältnis, als beim letzten Mal. Spielregel: wir fliegen dahin, wo Toptherm blau bis lila vorher sagt. Bleibt nur zu hoffen, dass Petrus kooperativ ist.

Bei meinem Gap Aufenthalt dieses Jahr war er das leider nicht. Von 7 Tagen haben wir an 3 Tagen aufgerüstet. An zwei von den drei Tagen hätten wir im Normalfall nicht aufgerüstet – reine Verzweiflungstaten. Und am einzigen guten Tage waren wir übermütig, sind zu früh gestartet, haben zu früh ausgeklinkt und dann La Motte besichtigt. Hübscher Platz. Aber leider nicht unser Ziel.

La Motte ist gemütlich

Da wir diesmal mit nem schweren Dosi unterwegs sind, müssen wir gegenüber letztem Jahr noch ein paar zusätzliche Bergungsutensilien mitnehmen: 300m Windenseil und wenn möglich ein Flaschenzug. Für den Fall der Fälle.

 

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Der POTUS
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Vom Augenmass

Herr Obama ist auf Abschiedstour in Deutschland. Damit der Führer des „Land of the Free“ in lauschiger Atmosphäre mit Frau Merkel über TTIP plaudern kann, haben die Sicherheitskräfte in einem Umkreis von 30NM den Luftraum um Hannover gesperrt. Was glauben die eigentlich? Dass Terroristen, die den POTUS angreifen wollen, ne Cessna voll Sprengstoff packen, dann ein Vorflugbriefing machen und feststellen, dass sie da nicht hinfliegen dürfen? Mist, wir wollten den Präsidenten sprengen, aber da ist per NOTAM jetzt ein gesperrter Luftraum, lasst uns die Sache abblasen. Wie dämlich ist dass denn. Und damit die bösen Terroristen nicht auf die Idee kommen, vielleicht mit ner Drohne anzugreifen, ist auch Modellflug verboten. Mist, werden die sich ein weiteres Mal denken, auch diesem Plan machen die effizienten deutschen Behörden mit ihrem Beschränkungsgebiet einen Strich durch die Rechnung.

Flugbeschränkungsgebiet Hannover Quelle: Neue Presse

Flugbeschränkungsgebiet Hannover Quelle: Neue Presse

Die Terroristen lachen sich kaputt über solchen Unfug. Treffen tut das die, die friedlich und ohne kommerzielle Interessen den Luftraum nutzen: Segeflieger, Ultraleichtflieger, Motorflieger – ja selbst Fallschirmspringer und Modellflieger. Und damit haben die Terroristen natürlich doch ein Ziel erreicht – in ihrer Weisheit schränken unsere Behörden unsere Freizügigkeit ein.

Die mit den kommerziellen Interessen dürfen natürlich weiterhin fliegen. Klar, die schicken dem Innenministerium sonst auch ne Rechnung über den Umsatz- und (wenn sie einen erzielen) Gewinnausfall. Herr Dr. de Maizière, Herr Dobrindt (@AlexDobrindt), liebe Landesbehörden – Seid Ihr eigentlich noch bei Sinnen? Ihr habt es auf die Falschen abgesehen! Ihr trefft Schüler, friedliche Luftsportler, harmlose Luftraumbenutzer. Glaubt Ihr ehrlich, Terroristen scheren sich um Euer NOTAM?

Bei solch völlig aus jeder sinnvollen Perspektive fallenden Maßnahmen dürft Ihr Euch nicht wundern, wenn sich auch vernünftige Menschen von der Politik abwenden. Oder schlimmer noch, anfangen irgendwelchen Rattenfängern vom Schlage einer Beatrix von Storch hinterher zu laufen. Und Bitte – kommt jetzt nicht mit dem Totschlagsargument „Sicherheit“. Welche Sicherheit schafft Ihr denn, wenn Ihr Streifenwagen auf Segelfluggelände stellt? Glauben Ihr allen Ernstes, die Terroristen kommen mit ner gekaperten ASK21 und greifen die FDGO an?

Die ASK 21 - ein bei Terroristen äußerst beliebter Kamikaze Flieger. By Henry Jones, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8387634

Die ASK 21 – ein bei Terroristen äußerst beliebter Kamikaze Flieger. By Henry Jones, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8387634

Aber immer, wenn man meint, man hat den Zenith an Behörden-Blödsinn vor sich, schaffen es unsere Politiker noch einen drauf zu setzen. In Facebook veröffentlichen die gegroundeten Fliegerkameraden rund um Hannover Bilder von Streifenwagen, mitten auf Landebahnen stehend mit 2-3 Beamten besetzt (immerhin Luftsportler wissen, was sich gehört: in aller Regel gut mit Kaffee und Kuchen versorgt). Mal abgesehen von den Kosten, auf die ich gleich nochmal komme, stellt das eine grob fahrlässige Behinderung etwaig erforderlicher Notlandungen dar (mal an den Himmel geschaut, heute? TCUs soweit das Auge reicht). Über die durch deren Anwesenheit nahe liegende Vermutung, dass Luftsportler sich womöglich nicht an Gesetze (und damit das betreffende Notam) halten, möchte ich lieber nicht weiter nachdenken.

Quelle: LSG Bad Pyrmont- Lügde

Endlich richtig gute Sicherheit in Bad Pyrmont. Quelle: LSG Bad Pyrmont- Lügde

In meinem Bundesland (NRW) kämpfen die Polizeibehörden gegen ständig steigende Zahlen von Wohnungseinbrüchen. Sie tun dies in meinem Heimatkreis (Viersen) dadurch, dass sie Dienststellen schließen (den Sachzusammenhang können nur Politiker verstehen). Rechnen wir mal zusammen, sie stellen (zum Teil aus Hessen importierte) Streifenwagenbesatzungen auf alle Flugplätze im Sperrgebiet – ich hab mal gezählt und komme so auf um die 30 Flugplätze – Modellflugplätze nicht mitgerechnet. Auf einigen stehen 2 Streifenwagen, auf anderen nur einer. Also sagen wir mal sie haben 45 Streifenwagen im Einsatz. Mit jeweils 2 Mann drin für 2 Tage. Das macht 180 Diensttage. Jetzt müssen die ja auch an- und abrücken – also sagen wir mal 270 Diensttage. Um Luftsportler zu bewachen!

Das ist an Lächerlichkeit wirklich nicht zu überbieten. Wie wäre es, solchen Blödsinn zukünftig zu lassen und das gesparte Geld in Planstellen zur lokalen Verbrechensbekämpfung zu nutzen – z.B. durch mehr Einruchsbekämpfer und Dienststellen im Kreis Viersen?

Und zum Schluß: das Bild von Hr. Obama ist (c) By Official White House Photo by Pete Souza – P120612PS-0463 (direct link), Domini públic, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23956389

So sehen sie aus - typische, gefährliche, als Segelflieger getarnte Terroristen

So sehen sie aus – typische, gefährliche, als Segelflieger getarnte Terroristen

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Es geht (bald) wieder los

Endlich – man kann es morgens und abends merken. Die Tage werden länger. Tagsüber, bei Sonne, bilden sich erste zarte Cumulanten. Die schaurige, dunkle Zeit geht dem Ende entgegen und endlich, endlich können wir wieder ans Fliegen denken. Seit Jahren beginnt „meine“ Saison in Gap. Südfrankreich hat mehrere Vorteile für Segelflieger: das Essen ist gut, die Leute sind freundlich, die Gegend ist zur jeder Jahreszeit für Segelflieger ein Paradies und es gibt eine gute Infrastruktur an Flugplätzen.

Aber die Alpen sind kein Ponyhof. Die Fliegerei zwischen den Felsen birgt erhebliche Gefahren (ungefähr 4x so tödlich, wie im Flachland). Ausserdem sind wir am Beginn der Saison meist in keinem guten Trainingsstand – schließlich mussten wir fast 5 Monate über’s Fliegen sprechen, als es tatsächlich zu tun. Da hilft es, sich die Gefahren und mögliche Vermeidungsstrategien nochmal ins Gedächtnis zu rufen. Einen guten Artikel dazu hat Rudolf Stüssi geschrieben – ein Muss für jeden, der dieser Tage in die Berge fährt.

Und wer immer noch der Meinung ist, dass er in 4.000m locker ohne Sauerstoff auskommt: lest mal diesen Artikel und denkt nochmal über Eure Haltung nach.

Jetzt ist es auch höchst Zeit, das „Alpenequipment“ zusammen zu suchen und zu checken, ob es noch funktioniert. Was ich immer an Bord dabei habe und vorher checke:

  1. einen Spot GPS Locator. Checken, ob  der Vertrag noch gültig ist. Neue Batterien einsetzen und schauen, dass die Ersatzbatterien noch „gut aussehen“. Da ich das Ding immer mal verleihe: checken, dass die Konfiguration noch richtig ist (und auf meine Kontakte verweist)
  2. Tiefkühltruhen-feste Kleidung. In der Welle kann es schonmal frisch werden. Letzens -38 Grad in 5.900m. Also: Zusammensuchen der Ski-Unterwäsche. Suchen der Fleece-Unterziehhosen, die eigentlich für Segler unter ihrem Ölzeug sind. Wo sind eigentlich die Fleece-Pullover abgeblieben und die Fleece-Socken. Und am allerwichtigsten: meine Skyboots. Jaja, die Skyboots. Gut sind sie ja. Aber die Verarbeitungsqualität war in den vergangenen Jahren etwas – wie soll man sagen – lässig. Insbesondere die Reissverschlüsse haben gern den Geist aufgegeben. Checken, ob die ok aussehen – sonst schnell nochmal zu Schneider, und neue einsetzen lassen.
  3. Checken der Sauerstoffanlage: Vor drei Jahren bin ich mit kaputtem Drucksensor in meiner EDS Anlage da rumgeflogen. Nicht gut. Also: einbauen den Kram in die Katana, Puloxymeter auf den Finger und ab nach FL100 (oder drüber, wenn die Lotsen wieder nett sind). Wo wir gerade dabei sind: Sauerstoff-Flaschen füllen lassen (wo ist nochmal das Füllventildingens?)
  4. Sauerstoff in die DG1000 einbauen. Wie immer gibt’s hier zwei Herausforderungen: wo ist diese schäbberige DG-Flaschenhalterung abgeblieben? Und wo ist das Y-Ventil für die EDS Anlagen (vorn-hinten)?
  5. Luftfahrtkarten. Leider sind die Französischen Segelflugkarten von derart mieser Qualität, dass sie bei mir bereits nach einer Woche Fliegen beginnen, sich in ihre Einzelteile aufzulösen. Im Zweifel vor Ort noch schnell eine neue kaufen? Luftraumstruktur noch wie immer? Oder fliegen in den TRAs jetzt tatsächlich Drohnen rum?
  6. Erste-Hilfe-in-den-Bergen-Übernachten-Survival-Kit? Wo war das noch und ist es noch vollständig?

Natürlich stehen dann noch die üblichen Checks an, die man immer machen muss, wenn mit einem Flieger irgendwo hin fährt – sowohl am Anhänger als auch am Flugzeug selbst. Aber das hat mit den Alpen nix zu tun.

Im Alter wird man ja immer tüdeliger. Gleichzeitig scheint der Bedarf zu wachsen, die Dinge vernünftig zu organisieren. Ein zunehmend schwer zu überbrückender Graben. Daher habe ich für Fliegerurlaube im Allgemeinen und Ausflüge in die Alpen eine Checkliste gemacht, für alles, was man mitnehmen muss, woran man alles denken muss. Hier ist sie, falls Ihr auch schusseliger werdet…

Wie immer werden wir im Hotel Muret übernachten – Zimmer ist gebucht. Vorher ganz wichtig: ca. 1 Woche fasten, sonst kommt man mit +2kg zurück nach Deutschland. Kiki von Tarade Aeroservice weiß auch, dass wir kommen. Am 2.4. geht das Abenteuer wieder los. Bin schon ganz hibbelig.

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Gedanken zur Zukunft von Luftsportvereinen

Düsternis allüberall

Die Zukunft ist düster. Immer weniger Segelflieger. Bedrohung allüberall. Bürokratiemonster wo man hinsieht. So oder ähnlich stellt sich vielfach die Perspektive auf das schönste Hobby der Welt dar. Und tatsächlich, bei unserem Wandersegelflug 2015 haben wir viele dieser Bedrohungen ganz real erfahren.

Zahlen, Daten, Fakten

Schauen wir auf die Fakten: Die Zahl der Segelflieger ist tatsächlich rückläufig. Waren es zu Beginn meiner Ausbildung (1978) noch gute 40.000 Segelflieger, sind es heute noch um die 30.000. Ebenso ist die alles erstickende Bürokratie tatsächlich immens gewachsen. Allein Part-M und Part-FCL haben uns tonnenweise Bürokratie beschert. Auch das Bedrohungspotenzial ist ganz sicher nicht kleiner geworden. Ob es aber gegenüber 1978 gewachsen ist – ich bin mir nicht sicher. Hatten wir früher die ADIZ, Tagtieffluggebiete, etc. haben wir heute Windräder, völlig ausufernde Luftraumansprüche seitens der DFS (für zwei Ryanair-Flüge nach Pusemuckel). Andererseits haben wir früher Startlisten und Abrechnung mit Papier und Bleistift gemacht. Heute machen wir das mit PCs, GPS trackern und so weiter.

Darüber hinaus gibt es noch ein paar weitere, nicht unmittelbar durch uns beeinflussbare Tatsachen:  Die Demographie macht allen Vereinen zu schaffen. Gab es 1978 noch 21,5mio Jugendliche unter 20 Jahren, sind es im Jahre 2013 lediglich 14,6mio (Quelle: Destatis). Ein Rückgang von 30%! Um diese Gruppe balgen sich Sportvereine, Fitnesstudios, Musikschulen, die Spiele-Industrie und so weiter und so fort. Rein statistisch muß es heute zwangsläufig aufwendiger sein, Junge Menschen für den Luftsport zu gewinnen, als früher. Diese objektive Erkenntnis deckt sich vermutlich mit der subjektiven Wahrnehmung in ganz vielen Vereinen.

Der zweite Schock aus der Abteilung Zahlen, Daten Fakten: Für das Engagement im Ehrenamt hat jeder Deutsche 2013 statistisch 0:21h pro Tag aufgewendet. Auffällig ist, dass die unter 45-jährigen hier nur zwischen 11min (10-17 jährige) und 16min (30-44 jährige) täglich aufwenden. Bei der Erhebung 2001 war es noch mehr als doppelt so viel Zeit (47min). Ältere Zahlen liegen mir leider nicht vor. Aber schon die Entwicklung der letzten 10 Jahre zeigt einen deutlichen Trend: Eine Halbierung der ehrenamtlichen Arbeit pro Kopf der Bevölkerung. Auch dies, sicherlich eine objektive Erkenntnis, die viele Vereine in ihrem subjektiven Erleben bestätigen können.

Vereinsrealität 2015

Schauen wir mal auf die typische Welt in einem Luftsportverein: eine Gruppe von vielleicht 50-100 Hobbyisten teilt sich eine Flugzeugflotte. Jeder aktive Pilot muss zwischen 50 und 100 ehrenamtliche Arbeitsstunden pro Jahr leisten. Dazu gehören: Betrieb, Reparatur und Wartung der Flugzeugflotte, Ausbildung von Flugschülern, Wartung und Pflege der Immobilien und des Flugplatzes, Management des Vereins und der Flugbetriebsorganisation. Die Abwicklung des Flugbetriebs (Lepo fahren, Winde fahren, Startlisten schreiben, Flugzeuge schieben, etc) obliegt nicht selten der Jugendgruppe – und die ist in manchen Vereinen verschwindet klein geworden.

Gerade der Zeitaufwand für das Management des Flugbetriebes hat in meiner Wahrnehmung deutlich zugenommen. Dank dafür an die EASA, die mit Part-M und Part-FCL wahre Bürokratie-Monster erschaffen hat. Und selbst, wenn die Ankündigungen von Patrick Ky (EASA Chef) Realität wird,  die Bedürfnisse der Allgemeinen Luftfahrt sehr viel mehr zu berücksichtigen – andere Bürokratie-Erzeuger haben sich längst in Stellung gebracht. Die Abwehr von Begehrlichkeiten der Flugplatznachbarn: Windräder, Lärmschutz usw. wird uns mindestens in den dicht besiedelten Gebieten der Republik immer intensiver beschäftigen. An meinem Flugplatz wollten wir die Tankstelle umbauen. Die 120-seitige Stellungnahme der Bezirksregierung zu unserer Voranfrage enthielt sage und schreibe die Forderung nach 20 Gutachten!.

Üblicherweise leisten einige Wenige deutlich mehr ehrenamtliche Arbeit. Nicht unüblich sind darüber hinaus feste Dienstpläne für viele der oben genannten Tätigkeiten. Vielleicht liegt der Flugplatz auch noch etwas ausserhalb, so daß jede Anwesenheit mit einer nicht unerheblichen An- und Abreisezeit verbunden ist.

Mit anderen Worten: Segelfliegen ist eine wirklich zeitaufwändig Sache (hört, hört, keine neuen Erkenntnis, höre ich da den Einen oder Anderen rufen).

Zwischenfazit

In einer Welt, die immer weniger bereit ist, ehrenamtliche Zeit zu investieren betreiben wir ein Vereinsmodell, das in erheblichem Maße genau das Gegenteil von Interessenten und Mitgliedern fordert. Und in Bezug auf neue Mitglieder fordern wir das von einer immer kleiner werdenden Bevölkerungsgruppe. Nicht besonders clever. Gleichzeitig nimmt an vielen Stellen der Arbeitsaufwand so deutlich zu, so dass wir eigentlich noch mehr Engagement fordern müssten. Bloß mit wem?

Und nu?

Da sitzen wir ja in einer schönen Zwickmühle. Mittelfristig kommen wir da nur raus, wenn wir uns deutlich verändern. Als Gruppe sind wir einfach zu klein, um ernsthaft glauben zu können, gesellschaftliche Trends ändern zu können. Wir können nur versuchen, Trends frühzeitig zu erkennen und müssen ihnen folgen – auch wenn nicht jeder von uns in allen Fällen derartige Trends befürworten mag. Die Alternative ist: Anstemmen gegen die Trends, solange es geht und dann mit Würde untergehen.

Das allerdings halte ich persönlich für ne blöde Idee, wenn ich ehrlich bin.

Aber welche Veränderungen sind das und was werden sie für uns bedeuten? Im Kern läuft es wohl auf verschiedene, tiefgreifende Veränderungen hinaus:

  • eine (weitere, werden manche rufen) Kommerzialisierung des Luftsports
  • viel aktivere und vielleicht auch cleverere Mitgliederwerbung
  • massive Effizienzverbesserung und Bündelung von Kräften über Vereinsgrenzen hinweg und in unserem Dachverband.

Kommerzialisierung

Ich denke, Luftsportvereine sollten sich darauf einstellen, mittelfristig zu Luftsport-Unternehmen zu werden. Mit fest angestellten Fluglehrer, festem Betriebspersonal und so weiter.  Wer sich nicht vorstellen kann, wie sowas funktioniert: schaut Euch mal den Betrieb in den Flugschulen des Landes an (Oerlinghausen, Wasserkuppe, Unterwössen, etc). Nur durch „Bestellung“ eines betrieblichen Rückgrats werden wir irgendwann in der Lage sein, Leuten den Wunsch zu erfüllen, morgens schnell mal zum Fliegen zu kommen, um dann mittags mit der Familie an den Strand zu fahren.

Dieses Rückgrat kann man bei sehr großen Luftsportvereinen schon entstehen sehen. Die haben häufig schon einzelne Rollen, die mit fest angestellten Mitarbeitern besetzt sind. Ich bin sicher, das wird zunehmen.

Geht das schlagartig von heute auf Morgen? Keine Ahnung, hängt davon ab, wie rapide sich Demographie und Bereitschaft zum Ehrenamt sich gegen uns richten. Wenn wir Pech haben geht das ruckzuck – und dann fürchte ich, dass viele Vereine auf der Strecke bleiben werden. Die mit einer Kommerzialisierung einher gehende Kulturveränderung in den Vereinen stellt neben den monetären Herausforderungen sicherlich das größte Problem dar.

Mitgliedergewinnung

Eine weitere, tiefgreifende Veränderung muss stattfinden bei der Gewinnung von neuen Segelfliegern. In einer Zeit ohne Internet und mit drei Fernsehprogrammen ab 16:00 (wer erinnert sich noch?) war es nicht so schwierig, Leute vom Unterhaltungswert der Segelfliegerei zu überzeugen wie heute. Und (siehe oben): es sind viel weniger Leute da, die man überzeugen könnte.

Wir können uns also nicht hinsetzen und warten, dass Interessenten zu uns finden (über die schlecht gepflegten Wege durch die Pampa an deren Ende unser Flugplatz liegt). Es braucht professionell organisierte Massnahmen auf breiter Front, um die Öffentlichkeit und vor allem unsere Zielgruppen zu überzeugen, wie toll Segelfliegen ist. Andere Vereine und Verbände machen es uns vor – im Kreis Viersen (wo ich fliege) gibt es im Kreis Sportbund eine volle Stelle für das frühzeitige Sichten von Talenten im Kindergartenalter. Da greifen die ersten Sportvereine schon eine ganze Population ab, die für uns dann nur noch schwer oder gar nicht mehr erreichbar ist. Warum machen wir nicht vergleichbares im Luftsport (natürlich nicht im Kindergarten)?

Mein Verein hat den Luxus im Speckgürtel westlich von Düsseldorf angesiedelt zu sein. Luxus, naja. Der Luftraum C beginnt in 4’500ft über dem Platz, rundrum C, TMZ, CTR was weiß ichnoch. Aber: wir sind über 220 Mitglieder und wir wachsen. Warum? Weil sich ein großer Teil unserer Mitglieder den A**** aufreißt, um junge Menschen an den Luftsport heranzuführen. Luxus aber schon, das will ich nicht verschweigen, weil wir in Fahrradentfernung von 3 größeren Städten und in einer relativ wohlhabenden Gegend liegen.

Das ganze Vereinsmarketing und die Mitgliedergewinnung  ist eine Heidenarbeit. Hier mal ein kleiner Auszug:

  • Durchführen von AGs mit 3 benachbarten Gymnasien samt abschließendem Fliegen im Rahmen eines Schnupperkurses.
  • Werbung auf dem „Familientag“ unserer Gemeinde mit Flugzeug und Flugsimulator.
  • Regelmässige (und erfolgreiche) Pressearbeit
  • Regelmäßige Beziehungspflege mit unseren Lokalpolitikern
  • Aktive Mitarbeit im Kreissportbund
  • Regelmäßig Informationsveranstaltungen für Interessenten, Neue und ihre Eltern
  • Auf- und Ausbau einer möglichst großen Fluglehrergruppe (aktuell 25 Lehrer), um die Belastung für den einzelnen Lehrer nicht überhand nehmen zu lassen.

Damit ist es uns bisher gelungen eine ca. 55 Kopf starke Jugendgruppe aufzubauen bzw. in ihrer Stärke konstant zu halten.

Können wir uns damit gegen den Zeitgeist stellen? Niemals. Wir können den Weg in die schleichende Kommerzialität vielleicht ein paar Jahre verlangsamen. Ob wir ihn aufhalten können? Ich bin da sehr skeptisch.

Effizienzsteigerung

Wir sind knapp 30.000 Segelflieger in Deutschland (der DAeC sagt 100.000 Luftsportler mit allen anderen Luftsportsparten) – und wir leisten uns 16 Landesverbände mit zum Teil (in den größeren Verbänden) festangestellten Mitarbeitern und einem ganzen Rattenschwanz von jeweils länderbezogenen Würdenträgern: Präsidenten, Kommissionsvorsitzenden, Vize-Präsidenten, Beisitzern und was weiß ich mehr.

Die Turniertänzer in NRW sind knap 80.000 Leute – sicher auch nicht direkt eine Trendsportart. Und die schaffen das mit einer kleinen Gruppe von festangestellten und ein par Ehrenamtlern.

Oder andersrum gedacht: wie groß könnten die großen, mit vielen festangestellten ausgestatteten Landesverbände eigentlich noch werden, bevor mehr Festangestellte gebraucht würden? Mein Eindruck: ne ganze Menge könnten die wachsen.

Sind wir eigentlich doof?

Wie kann es sein, dass wir zwar in vielen Landesverbänden festangestellte Mitarbeiter haben, die aber alle dasselbe tun – jeder natürlich auf seiner kleinen Hallig? Ich bin im Hauptberuf Unternehmensberater und wenn ich mir ansehe, welchen Ineffizienzen wir uns leisten, werd ich wahnsinnig. Warum braucht man für so eine kleine Gruppe, wie wir sie sind, so eine ausufernde Organisation mit so vielen Redundanzen. Eine Organisation, in der Zusammenarbeit und „am selben Strang ziehen“ eher zufällig zu entstehen scheinen?

Warum fassen wir das nicht in einer effizienten und schlagkräftigen zentralen, bundesweiten Organisation zusammen. Vom gesparten Geld könnten wir zwei hauptamtliche Rechtsanwälte einstellen, die jedem Windkraftbetreiber und jeder dummen Idee der DFS die passenden Entgegnung um die Ohren hauen könnten? Warum haben wir nicht eine zentrale, bundesweit agierende Marketingtruppe, die alles daran setzt Luftsport bekannt zu machen? Warum fassen wir die Förderung der wenigen Talente, die wir hervorbringen (nicht weil wir so schlecht sind, sondern weil wir so wenige sind) nicht in einer bundesweit agierenden Scouting- und Förderorganisation zusammen? Um 30.000 (oder von mir aus 100.000) Luftsportler zentral vertreten zu können, braucht man einige wenige, aber richtig gute und fokussierte Leute. Wo sind die?

Ich glaube, wir setzen auf Kleinstfürsten und Kleinststrukturen, weil es so viele Leute in unseren Reihen gibt, die an ihren Posten und Pöstchen kleben. Statt schlagkräftig zu werden verlieren wir uns in lokaler Belanglosigkeit.

Was ist bloß mit uns los? Warum ändern wir das nicht.

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Buenos Dias – hübsche Bilder

Wer die Segelfliegerei liebt, hat in aller Regel auch hunderte Bilder, Filme, Bücher etc. von und über Segelflugzeuge. Im Zeitalter von GoPros, Handy-Kameras und Diensten wie Instagram gibt es wohl keine Medien, die dem Internet-Affinen (Hallo Frau Merkel, wir sprechen über #Neuland) Segelflieger nicht längst über den Weg gelaufen sind.

Vielleicht nicht ganz. Wer kennt Sylvain Artu? Nicht so viele, vermute ich. Ich bin auf ihn auch erst durch meinen Segelflieger-Kumpel Heiko aufmerksam geworden. Sylvain ist ein französischer Grafiker, der so eine Art Cartoon von Flugzeugbildern macht. Das Witzige ist: man kann ihm ein Bild von (s)einem Lieblingsflugzeug schicken und er macht dann etwas daraus, das so aussieht, wie das Beitragsbild hier. Oder wie der Header oben links auf dieser Webseite.

Das Ganze kostet nicht die Welt und Sylvain schickt einem die Ergebnisse seiner Arbeit als hochaufgelöste .jpg Datei. Mit der kann man dann machen, was man will.

Für den Segelflieger, der schon alles hat, vielleicht eine hübsche Weihnachts | Geburtstags | Osterüberraschung.

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Richtig verfolgen

Wandersegelflug in Reinform ist: Schlafsack in den Flieger und losfliegen. Ohne Netz und doppelten Boden. Das ist nicht für jeden was. Wir haben ja eher die Warmduschervariante gewählt: einer fliegt, einer fährt hinterher. Das ganze Gerödel ist im Auto. Das ist weniger abenteuerlich – aber wenn man wie wir einen reinen Segler hat (ohne Klappi) die Variante, die weniger Theater bei einer Aussenlandung erzeugt.

Dabei stellt sich die Frage, wie verfolgt man eigentlich ein Segelflugzeug. Hier ein paar Tipps von uns:

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Was bleibt…

Leider haben die Meteorologen immer dann recht, wenn sie Scheißwetter vorhersagen. Nachdem sich Juppi gestern mannhaft durch das Verkehrschaos von der Alb nach Bronkow vorgekämpft hatte, gab’s heute auch prompt Kackwetter. Also, statt die geile Elektrowinde zu benutzen, oder einen im Westen eher unbekannten Wilga Schlepp zu geniessen, mussten wir gezwungenermassen C-Klasse fahren (was nix gegen die C-Klasse ist).

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Wieder in der Lausitz

Gestern Abend in der Fliegerkneipe in Aalen wurden die geplanten Strecken mit jeder neuen Modellrechnung der Meteorologen noch größer. Die Alb und der Schwarzwald waren hammermäßig vorhergesagt. Und generell fanden die Meteorlogen, dass man sich als Segelflieger in einem Streifen zwischen Schwarzwald und Danzig aufhalten solle.

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Von der Fulda an die Brenz

Endlich wieder gutes Wetter. Die Auguren vom DWD und von TopMeteo waren sich zwar nicht so ganz einig, wo genau das gute vom schlechten Wetter getrennt sei. Aber Flugwetter war versprochen. Nach dem obligatorischen 9:00 Briefing ging’s daran die Flieger klar zu machen und sich in den Startbetrieb an der Wasserkuppe einzureihen. Chris plante den Weg gen Heimat anzutreten. Juppis Ziel hiess Aalen-Elchingen.

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Dem Rhöngeist auf der Spur

Die Meteorologen wissen auch nicht, was sie wollen. Gestern war die Vorhersage für heute noch ok. Sie war nicht überragend – aber ok. Man hätte fliegen können. Konnte man aber nicht. Dummerweise kam es nämlich anders, als von den Meteorologen vorhergesagt. Das hat uns Dieter Syfuss heute morgen beim Briefing der Fliegerschule Wasserkuppe auch genau erklärt. Die Management-Summary seines meteorologisch durchaus interessanten Vortrags: Kackwetter heute. Und richtig. Anders als die festangestellten Meteorologen hatte Dieter den Nagel auf den Kopf getroffen.

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