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Käserundfahrt

Ihr wißt nicht, was eine Käserundfahrt ist? Doch schon, oder wie nennt Ihr einen Rundflug um den Platz bei Euch? Zu mehr hat es leider nicht gereicht. Die nackte Wahrheit, wir sind in Jena gestrandet.

Aber der Reihe nach – heute morgen, als der Wind durch’s Zelt pfiff aber auch die Sonne das Zelt erwärmte, wurden die müden Wandersegler von ihren Wettbewerbskumpels zu einer absolut wandersegleruntauglichen Tageszeit aus den Zelten geworfen. „Aufrüsten, Tanken, los Ihr faulen Säcke“. Missmutig schälen wir uns aus den 38 Lagen Isolierung, die uns die Nacht über vor dem sicheren Tod durch erfrieren behütet haben und helfen, einen Ventus und eine 19 aufzubauen. Als die Maschinen fertig aufgerüstet – und vor allem getankt – im Grid stehen, meldet sich die Wettbewerbsleitung. Nur schwach kann man deren Stimme durch den Regenschauer und das Toben des Windes hören: die Teilnehmer mögen doch bitte erstmal aufhören mit derart törichten Startaufstellungsaktionen. Na, das wird ja noch ein super Tag, denken die Wanderer und wenden sich erstmal genußvoll nassen Brötchen und kaltem Kaffee zu.

Das Briefing, um es kurz zu machen, stellt lediglich ein weiteres Briefing in Aussicht sowie eine generische Aussage, dass es nach Norden und Westen gehen würde. In ein kleines Wetterfenster, das Herr Cameron auf den Weg nach Thüringen geschickt hat. Na super. Wie sollen wir bitte bei derart dämlich gelegten Wetterfenstern bis Mittwoch jeden Abend an einem anderen Flugplatz verbringen?

Wir nutzen die allgemeine Ratlosigkeit und begeben uns auf die Suche nach XLR Steckern und Ladegeräten – wir berichteten, dass wir durch eine Verkettung unvorhersehbarer und fairerweise nicht uns zuzurechnender Umstände, die Ladegeräte in Grefrath liegen gelassen haben. Dumm nur, dass die meisten Läden, die wir anrufen (Tante Google sei dank), entweder gar nicht wissen, was ein XLR Stecker ist, wissen wollen ob wir 60er oder 90er haben wollen (wir dachten immer, dass diese Masszahlen nur bei Frauen angewendet würden) oder sie nehmen nicht ab. Schlußendlich landen wir bei Pianelli. Dieser ganze XLR Krams kommt doch von Musikern. Und richtig, die zwei netten Burschen hinter dem Tresen wissen natürlich, was ein XLR Stecker ist. Unsere Frage, ob sie welche haben, beantworten sie jedoch vieldeutig mit „so welche zum anlöten“. Wir (freudig erregt):“ja genau“. Die Jungs: „Nee, welche zum anlöten haben wir nicht“. Wir sind bereits in einer Diskussion verstrickt, ob eventuell Eberhardt mit dem PA Verleih vielleicht helfen könnte, als es mir wie Schuppen aus den (noch) ungewaschenen Haaren fällt. „Habt vielleicht fertig konfektionierte Kabel“ schreie ich fast. „Ja, klar, brauchen wir ja dauernd“, entgegen die beiden Billy Joels.

Aargh, mal wieder zu präzise gefragt. Schnell schießen wir 3 fertig konfektionierte Kabel zu je 4,95 das Stück. Ok, den strengen Augen unserer Werkstattleiter werden diese Stecker vermutlich nicht genügen (allein schon wegen der dubiosen Umstände ihres Kaufs), aber sei’s drum. Wir sind stolz und finden sie schön.

Jetzt nur noch Ladegeräte. Alle Welt braucht Ladegeräte, wahrscheinlich gibt’s die sogar beim Fleischer. Wir fangen bei Saturn an: Fehlanzeige, OBI Fehlanzeige. Aber ATU – zum Spottpreis von fast 40 Euronen stehen da welche. Das gibt’s doch bestimmt billiger. Wir rufen die umliegenden Modellbauläden an und bekommen einen Herzkasper nach dem anderen. Warum zum Teufel sind diese Ladedingsbumse so teuer. Aber was solls, vermutlich hat sich zu diesem Zeitpunkt in Jena bereits rumgesprochen, wie verzweifelt unsere Lage ist. Olle Ost-Kapitalisten.

So gerüstet fahren wir wieder rauf auf den Flugplatzberg. Startbereitschaft in 45min. Oh-hauerhauer-ha. Wo sollen wir bloss hin – wilde Ideen, von Ritten entlang des Thüringer Waldes ins Alpenvorland geistern durch unsere Köpfe. Alles kein Ding – bei einem 167er Schnitt. Hmm. Schwierig.

Wir bauen erstmal auf, klären mit der Wettbewerbsleitung, dass wir nach dem Feld hochkommen und wissen aber immer noch nicht, wo die Reise hingehen soll. Max und Max sind heute dran. Sie schauen so ratlos, wie alle anderen auch. Das Feld wird rausgeschleppt und bleibt erstaunlicherweise mehrheitlich am Himmel hängen. Also doch: Unterwössen. Oder wenigstens Ottengrüner Heide. Das Feld lichtet sich, die Wilgas haben ganze Arbeit geleistet.

Endlich reisst auch eine dieser Monstren unsere DG an den Himmel. Wir haben abgemacht, ich (Rückholer heute) bleibe mal, wo ich bin und die Mäxe melden sich, wenn sie wirklich los wollen. Einen Großkreis rund um Jena und 22 SMSe später kommt unsere DG wieder. War leider nix mit dem tollen Ritt am Thüringer. Stattdessen hochgeschwindigkeitsabrüsten und dann professionell organisierte Parallelarbeit: Max1 holt Marius wieder, der auf irgendeinem Flugplatz NW Jena eingeschlagen ist. Max2 holt seinen Kumpel wieder, dem er seine DG geborgt hat. Und ich fahr nach Jena und kauf‘ dickere Schlafsäcke. Ab heut Nacht braucht man nämlich Himalaya-taugliche Camping-Ausrüstung in Jena. Die Vorhersagen sprechen von bis zu 0 Grad in der Nacht.

Morgen wollen wir rodeln gehen – geht ja gut, den Berg runter.

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