comment 0

Das war wohl nix…

Das ging schon irgendwie Scheiße los. Das letzte Gute, an dem Morgen, war Inas Frühstück. Der Himmel war zwar blau, fühlte sich aber irgendwie nicht so an, als ob gute Thermik aus ihm entspringen würde. Nach langem Rumgewarte hab ich dann den Schlepper aus Klix angerufen, den Keschtrel zusammengebaschtelt und an den Start geschoben. Bei dem nicht vorhergesagten strammen Südwind, war das leicht: umdrehen, den Flieger. Fertig.

Die Zlin ausgeräumt und los geht’s. In 500m über’m Platz heftiges Gerumpel. Der Torsten klinkt aus. Und merkt: zu früh. Viel zu früh. Dieser wunderbare Flug würde früh zu Ende gehen. Genau genommen nach ca. 10min. Zum Glück war der Schlepper noch da. Zweiter Versuch. Diesmal wird irgendwelchen verräterischen Rumplern kein Glauben geschenkt und ich ziehe in ca. 700m über dem Platz am gelben Knopf. Zwei-drei Kreise und 2,7m/s liegen an. Alles wieder gut. Das wird doch ein guter Tag.

Jetzt muß man wissen, dass ich – unerfahrener Lausitz-Flieger, der ich bin – TopTerm und TopMeteo blind vertrauend einen nördlichen Kurs um Dresden einschlagen wollte. Um mich dann in dem gut vorhergesagten Gebiet zwischen Chemnitz und sagen wir mal Nürnberg nach Südwesten aufzumachen. Ich hab dann aber den Fehler gemacht, die lokalen Experten zu befragen. Manchmal hilft das ja. Heute nicht.

Die haben nämlich die Hände in den Himmel gerissen und mir dringendst von derart törichten Kursen abgeraten. Seit den Zeiten der Arche sei kein Segelflieger jemals nördlich um Dresden herumgekommen. Das geht nur nach Süden. Und wenn schon Süden, dann richtig Süden: Hauptkamm Erzgebirge. Meine zaghaften Einwände, dass man bei Südwind ja durch ein ziemliches Lee müsste, um da hin zu kommen, wurden solange bei Seite gewischt, bis ich auch fand, es gäbe nix Besseres, als den Hauptkamm.

Tja. Das war gar nicht mal so schlau von mir. Mit jedem Kilometer, den ich dem Hauptkamm näher kam, wurde die Thermik unrunder, zerissener und irgendwie einfach kacke. Gleichzeitig wurde die Luft immer mehr so, wie in einem Rotor – allerdings ohne viel Steigen. Ich war zu dem Zeitpunkt, als ich das anfing, doof zu finden, genau südlich Dresden – mit seinem ausufernden Luftraum. Der Weg nach Norden war also nix. Nach Nordwesten wäre gegangen. Aber die Worte der Klixer Experten hingen mir noch im Ohr: Hauptkamm, Junge!

Am Hauptkamm angekommen hatte ich +250m auf den in Tschechien liegenden Flugplatz Usti nad Labem. Immerhin. Die Luft war am Kochen. Nur nach oben ging’s nicht. Was ich bis jetzt nicht begreife ist, warum dieser Scheißhang nicht getragen hat. Die Windräder oben an der Hangkante standen genau so, wie man das von einem tragenden Hang erwarten würde. Nur er tat es nicht. Dafür ging aber auch die Thermik nicht.

Und so kam es, dass ich im wunderschönen Fürstenau – direkt neben der örtlichen LPG – auf einer sanft ansteigenden Wiese, einen schönen, wenn auch windigen Landeort fand. Dank der „keine-Knick-Regel“ und dem Spot, war Juppi ca. 60min nach meiner ersten Aussenlandung in bergigem Gelände zur Bergung erschienen. Nach den eindringlichen Worten der LPG Oberen (die allesamt mit Nissan Patrols dauernd hin- und herfahren), bloss nicht über den frisch eingesäten Acker zu fahren (der die beste Zuwegung darstellte), haben wir dann mit ein paar waghalsigen 540Grad Kehren, den Anhänger samt C-Klasse über die Straßenböschung direkt auf die Wiese bugsiert.

Ein Blick auf TopMeteo zeigte, dass wir etwa bis zur Bretagne durchfahren müssten, um wieder in gutes Wetter zu kommen – die Aufgleitbewölkung der nahenden Warmfront war schon sehr deutlich sichtbar. Ein kurzer Check mit dem dem nigelnagelneuen Navi von Juppi (das man anschreien kann und das darauf reagiert) überzeugte uns aber von der Idiotie dieser Idee.

Daher rief ich dann ein paar befreundete Thüringer Segelflieger an, die uns als ersten Zwischenstopp in die Bretagne den schönen Flugplatz Jena-Schöngleina empfahlen. Und so kam es, dass wir unseren Keschtrel direkt neben dem einzigen motorisierten Jantar der Welt in Schöngleina parkten. Und wem gehört dieser Jantar? Genau, dem Chris von travelbyglider.eu.  Chris ist ein netter Bursche, mit dem wir in einer eher zweitklassigen Fernfahrerkneipe ein erstklassiges Pils zum mittelmäßigen Gyros gegessen haben – und dabei sämtliche Probleme der Segelfliegerwelt durchgekaut haben.

Juppi schreit sein Navi an - nur so versteht ein Garmin Navi, was sein Herr ihm befiehlt

Juppi schreit sein Navi an – nur so versteht ein Garmin Navi, was sein Herr ihm befiehlt

Morgen wollen wir dann zum Atlas-Gebirge…

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s